Der erste überraschende Eindruck stellte sich noch im Geschäft ein: Die Wii-Verpackung ist erstaunlich schwer, was - wie sich später herausstellen wird - an den recht umfangreichen Bedienungsanleitungen liegt.
Der zweite überraschende Eindruck: Man hat sich bei der Verpackung Gedanken gemacht. Die Einzel-Teile der Wii sind in zwei Lagen verpackt, wobei jedes Teil einzeln gepolstert und sicher verpackt ist. Sofort fällt auf, dass sowohl die Konsole, der Infrarot-Sender als auch die Controller-Einheiten (Wii Fernbedienung und Nunchuck) wesentlich kleiner sind als erwartet. Meine spontanen Bedenken, ob die Controller auch gut in den Händen liegen, verschwinden aber später.
Die Wii-Remote, die Fernbedienung, ist das Kernstück der neuen Konsole und ermöglicht völlig neue Bedienkonzepte. Auch technisch gesehen bringt sie einiges Ungewohntes mit sich. Beispielsweise sendet die Wii-Fernbedienung keine Infrarot-Kommandos wie herrkömmliche Fernbedienungen, es empfängt solche Signale von der Infrarot-Leiste, die über oder unter dem Fernseher platziert werden muss, um den Punkt zu bestimmen, auf der gerade gezeigt wird. Die aktuelle Position und Lage im Raum sowie Tasten-Kommandos werden von der Wii-Remote per Funk an die Wii übertragen. Ausserdem neu ist, dass die Fernbedienung einen Lautsprecher enthält, der leider für meinen Geschmack zu laut ist und sich in der Lautstärke nicht regulieren lässt. Abhilfe haben hier bei mir zwei kleine Tesa-Streifen gebracht, die ich über den Lautsprecher geklebt habe. Die Batterien der Fernbedienung halten für etwa 40 bis 50 Stunden, abhängig davon, ob man das Nunchuk angeschlossen hat oder nicht. Sollte die Batterie einmal den Geist aufgeben, was eigentlich rechtzeitig angezeigt wird, ist es zumindest bei Zelda so, dass das Spiel einfriert und erst dann weiterläuft, wenn man neue Batterien eingelegt hat. Bis zu vier dieser Fernbedienungen können an der Wii gleichzeitig abgemeldet werden.
Die Konsole selber macht einen sehr gut verarbeiteten Eindruck. Erfreulicherweise legt Nintendo direkt einen stylischen Ständer bei, der bei der Konkurrenz extra nachgekauft werden muss. Die kleine Baugröße ergibt sich zum Teil aus der Tatsache, dass das Netzteil extern ist, was übrigens auch zur Folge hat, dass während des Betriebs keine störenden Lüftergeräusche aus dem Wii ertönen.
Einer meiner Kaufgründe für die Wii war die Tatsache, dass die vorhandenen Gamecube Spiele unterstützt werden und die Speicherkarten und Controller weiterverwendet werden können. Dazu bietet die Wii zwei Klappfächer an der Oberseite, wo vier Controller und zwei Speicherkarten Platz finden. Schade ist die Tatsache, dass man ohne eine Gamecube-Speicherkarte nicht auskommt, da Gamecube-Spiele ihre Spielstände nicht im Flash-Speicher der Wii ablegen können.
Der interne Speicher der Wii (512 MB Flash-Speicher) lässt sich mit einer SD-Speicherkarte erweitern, die man an der Frontseite hinter einer Klappe einschieben kann. Erfreulich ist aber die Tatsache, dass man kein zusätzliches Geld für eine Speicherkarte ausgeben muss, wenn man Wii-Spielstände speichern möchte.
Nach dem Einschalten durchläuft man Schritt für Schritt das Setup der Konsole. Die Bedienung des Pointers per Fernbedienung erfolgt erstaunlich einfach und intuitiv.
Schade (aus Konsumentensicht) aber verständlich (aus Nintendo-Sicht) ist die Tatsache, dass man die VIP24/7-Sterne nicht verwenden kann, um im Wii Shopping Kanal etwas einzukaufen. Wäre eine nette Geste gewesen, wenn man sich für 3 bzw. 4 neue Spiele (bringen 750 bzw. 1000 Sterne) einen NES oder SNES-Oldie hätte downloaden können. Allerdings soll es in naher Zukunft möglich sein, für die Sterne Wii-Points erwerben zu können. Da bin ich mal auf den Tausch-Kurs gespannt.
Sehr schade ist, dass die Wii (noch?) keine DVDs abspielen kann. Den DVD-Player wird sie also erstmal nicht ersetzen und stellt für mich daher auch nicht wirklich ein Media-Center für das Wohnzimmer dar. Die derzeit einzige Möglichkeit, Filme per Wii zu gucken, kann über den Internetkanal erfolgen. Im LAN richtet man sich einen Webserver ein und legt dort speziell ins Flash-Format kodierte Filme ab. Diese können dann über den Internetkanal gestreamt werden.
Eine nette Idee stellen die Miis dar. Ein Mii ist ein Avatar, der den Spieler repräsentiert. Bis zu acht Mii-Figuren mit Spitzname und individuellem Aussehen können direkt auf der Fernbedienung gespeichert werden. Die Idee: Zu einem Freund samt Wii nehme ich nur meine Fernbedienung mit und kann dort als "ich selber" spielen. Die Zukunft wird zeigen, wie das Mii-Konzept tatsächlich in den kommenden Spielen verwoben ist. Super Monkey Ball und Zelda machen schonmal keinen Gebrauch der Miis. Miis kann man zwischen Wiis mit Freunden austauschen. Abgesehen von der Tatsache, dass sie die leere Mii-Fläche langsam füllt, hat man davon aber nichts weiter. Es wird sich zeigen, ob Nintendo hier weitere Ideen hat, die nach und nach hinzugefügt werden.
In einem der folgenden Reviews werde ich auf den Internet-Bereich der Wii-Konsole eingehen. Aus jetzige Sicht kann ich aber schonmal jedem, der einen Gamecube hat, die Wii wärmstens empfehlen, und auch für nicht Nintendorianer lohnt sich ein Blick, da sich Spiele durch das neue Bedienungskonzept ganz anders "erleben" lassen. |